Aus sechsundsechszig Metern in die Tiefe. Seljalandsfoss.

Dies wollte ich schon immer:

Einmal hinter einen Wasserfall treten, dass herabstürzende Wasser von allen Seiten betrachten. Den zusammenhängenden Wasserfäden zusehen, wie sie sich aneinander festhalten, dann verlieren, in feinen Nebel aufgehen. Aufeinanderfolgende Wassermoleküle, in denen sich das Licht spiegelt. Weiß schimmernde Schleier aus Dunst, die sich fein verteilt dem Erdboden nähern, um dort wieder im großen Ganzen auszugehen. Ein atemberaubender Anblick. Die Kraft und Energie des Wassers, welches hier in geradliniger Schönheit an einem vorbeirauscht, verzaubert die Umgebung. Von innen nach außen, wie aus dem Berg heraus in die Welt. 

Wenn Wassertropfen sehen könnten,

würde ihnen vielleicht schwindlig von der Wucht mit der sie sich dem Erdboden näheren. Andererseits könnten sie noch im Meer aneinander schwimmend davon berichten, in welch großartiger Landschaft sie unterwegs waren. Möglicherweise werden sie, wenn sie als Regen über den Wasserkreislauf in die Berge zu einem neuen Ursprung zurückgekehrt sind, darauf hoffen wieder über eine Steinkante im freien Flug zum Meer getragen zu werden. Wer weiß?

Von Hella kommend fuhren wir auf der Ringstraße 1 in Richtung Osten.

Nach vierunddreißig Kilometern führt die 249 direkt auf den Parkplatz in Sichtweite des Wasserfalls. Damit befinden wir uns ein weiteres Mal an einem touristischen Höhepunkt der Hauptroute Islands. Es ist ein Tag Anfang Oktober, die Sonnenbahn neigt sich so langsam dem Ende zu. Dennoch ist der Haltepunkt gut gefüllt und mit uns kommen noch weitere Besucher an. An den endlos langen Tagen im Sommer ist es bestimmt sehr voll hier.

Unweit von uns stürzt der Fluss Seljalandsa

an einem steilen Abfall der Seljalandsheiði in die Tiefe. Das Heideareal erstreckt sich etwa einhundertachtzig Meter über dem Meeresspiegel im Süden Islands und endet an dieser Stelle abrupt. Ein schmaler, wassergetränkter und auch etwas schlammiger Weg führt zu einer Treppe. Von dort aus gelangten wir in die eingegrabene Höhle hinter dem Wasserfall. Es ist sehr beeindruckend. Wenn ich hochrechne, wie viele Fotos ich allein an diesem Ort gemacht habe, so sind es sicher Millionen Bilder, die hier im Laufe eines Jahres arrangiert werden. 

Wer einmal den Weg zum Seljalandsfoss gefunden hat,

kann sich bei dieser Gelegenheit gleich noch einen zweiten, etwas versteckteren Wasserfall ansehen: Den Gljufurarfoss. Er liegt etwas nördlicher. Eine kurze Wegstrecke von diesem Ort entfernt fällt er, versteckt hinter einer Wand aus Felsgestein, in die Tiefe. Ein Spalt in die Schlucht hinein gibt den Blick auf den kleineren Bruder des bekannteren und wesentlich häufiger besuchten Seljalandsfoss frei. Für uns war es an diesem Tag leider schon zu spät. Als wir den Seljalandsfoss verließen, dämmerte es bereits und der Parkplatz der touristischen Hauptattraktion war schon fast leer.

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