Das Hochtemperaturgebiet Gunnuhver. Auf den Spuren von Guðrún Önundardóttir.

Das Hochtemperaturgebiet Gunnuhver. Auf den Spuren von Guðrún Önundardóttir.

Ihre Existenz war real.

Im Jahr 1703 wurde ihr Name bei einer Volkszählung benannt. Sie hatte Schulden und verlor darüber erst den Besitz, dann den Verstand. Der Volksmund erzählt, dass sie starb, weil sie den Genuss von Weihwasser abgelehnt hatte. Hier beginnt das Sagenreich in dem sich Wahrheit und Realität vermischen. Der Gang zum Friedhof war für die Sargträger seltsam, wurde der Sarg doch unterwegs leichter. Sie erschien als Gespenst und spukte fortan auf der Halbinsel. Der Stoff, aus dem Filme zur Halloweenpartyzeit gemacht werden. In ihrer Rache verloren Menschen den Verstand andere starben, nachdem sie ihnen erschienen war. 

Der Pfarrer Eiríkur Magnússon í Vogsósum (c.1637(?)/1638–1716) war eine interessante Persönlichkeit. Nicht nur als Kind Absolvent der Kathedralschule in Skálholt (um 1658) und später Pfarrer von Vogsósar, nein, er war gleichzeitig auch für seine magischen Fähigkeiten bekannt. 

Überliefert ist, dass er einen Weg fand,

Gunna zu bannen. Sie stürzte an dieser Stelle in die heiße Quelle und ward seitdem nur noch ganz vereinzelt auf dem Kraterrand gesehen. Die Quelle, alle Schlammtöpfe und Dampfaustritte heißen seitdem Gunnuhver. 

Im Jahr 2014 hat sie wahrscheinlich kurzzeitig darüber nachgedacht, ihren Ort zu verlassen. Die Schlammquelle wurde über Nacht zum Geysir und schleuderte bis zu zwanzig Meter hohe Fontänen in die Luft. Dies ist aber schon wieder Geschichte. In der Region Reykjanes gibt es immer wieder ein Auflodern geothermischer Aktivität. 

Es ist siedendes Grundwasser,

welches hier an die Oberfläche tritt und kondensiert. Grund und Oberflächenwasser mischen sich, dampfen und brodeln. Dazu passend Schwefelwasserstoff, der in der Nase sofort wiedererkannt wird. Seine Reaktionsprodukte mit der Erdoberfläche bzw. den oben aufliegenden Steinen sind in der Farbgebung unverkennbar. Wir standen vor der größten Schlammquelle, deren Durchmesser etwa zwanzig Meter beträgt. In der Mitte eine kochende Schlammsäule, außen herum vermutlich die Reste von einst vorhandenen Wegmarkierungen. 

Vater des Hochtemperaturgebietes ist der Vulkan Gunnuhver,

der westlich des Fischerortes Grindavík im Südwesten Islands liegt. Dieser Vulkan und seine Aktivität ist dem Reykjanesrücken einem Teil des Mittelatlantischen Rückens geschuldet. Eine von Vulkantätigkeit erschaffene Welt aus Sehenswürdigkeiten, die nur deshalb hier sind, weil Kontinentalplatten an dieser Stelle aufeinandertreffen. Eine Schlammquelle und Gunna, alle diese Dinge sind Abbildungen einer Realität, die sich mit der Sagenwelt Islands vermischen.

Beim Umherblicken

lässt sich noch eine Brücke von der Vergangenheit in die Gegenwart schlagen. In der Ferne erblickt man den Leuchtturm Reykjanesviti als markanten Punkt der Küste und auf der anderen Seite das Geothermalkraftwerk Suðurnes, dass ich der Aktivität, der Kraft und Energie Gunnuhvers bedient. Verflossene Tage und Zukunft wie immer sehr nah beieinander.

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